Selbstregulation & Resilienz
- Dauer 4 Stunden
Ziel
Praktische, evidenzbasierte Werkzeuge zur Aktivierung des Vagusnervs erlernen, um Stressreaktionen zu mildern, emotionale Stabilität zu fördern und das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen. Der Workshop ist keine medizinische Behandlung – bei gesundheitlichen Problemen bitte einen Arzt konsultieren.

Inhalte des Workshops
Begrüßung & WarmUp (ca. 20 Minuten)
Vorstellungsrunde
- Was erwartest Du Dir von diesem Workshop
- Spüre in Dich hinein, wie fühlst Du Dich gerade?
(auf einer Skala von 1 bis 10: sehr entspannt bis sehr angespannt)
Der Vagusnerv im Überblick? (ca. 30 Minuten)
Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv und verbindet dein Gehirn mit vielen inneren Organen. Er gehört zum Parasympathikus, dem Teil deines vegetativen Nervensystems, der für Erholung und Regeneration zuständig ist – im Gegensatz zum Sympathikus, der dich in Alarmbereitschaft versetzt. Der Vagusnerv senkt Herzfrequenz und Blutdruck, fördert die Verdauung und dämpft Entzündungen im Körper.
Ein Nerv mit langer Geschichte
Schon der römische Arzt Galen beschrieb im 2. Jahrhundert n. Chr. Nervenbahnen, die vom Gehirn zu den inneren Organen ziehen. Der Name „nervus vagus“ – lateinisch für „umherschweifend“ – wurde allerdings erst im 19. Jahrhundert geprägt. Und erst 1994 stellte der Neurowissenschaftler Stephen Porges seine Polyvagal-Theorie vor: Sie beschreibt, wie der Vagusnerv drei innere Zustände ermöglicht – Sicherheit und soziale Verbundenheit, Kampf-oder-Flucht sowie Erstarrung. Die Theorie ist bis heute nicht vollständig erforscht, einige ihrer Annahmen werden in der Wissenschaft weiter diskutiert.
Spannend dabei: Viele Praktiken, die den Vagusnerv gezielt ansprechen, sind unabhängig von jeder Wissenschaft entstanden – einfach weil Menschen über Jahrtausende gemerkt haben, dass sie sich danach besser fühlen:
- Das jahrtausendealte Yoga mit seinen Pranayama-Atemtechniken aus Indien
- Summen und Chanten (etwa „Om“) in buddhistischen und hinduistischen Traditionen
- Qi-Gong und Tai-Chi aus China, die langsame Bewegung mit bewusster Atmung verbinden
- Traditionelle nordische und russische Kälteanwendungen wie Wechselbäder oder Eisbaden
- Gemeinsames Singen in Chören und spirituellen Ritualen weltweit
Diese Praktiken wirkten, lange bevor jemand vom Vagusnerv wusste – einfach weil sie Entspannung, bessere Verdauung und innere Ruhe brachten.
Was ist der Vagusnerv?
Der Vagusnerv (X. Hirnnerv) ist eine zentrale Verbindungsbahn (eigentlich zwei) zwischen Gehirn und Organen. Er gehört zum Parasympathikus des vegetativen Nervensystems und reguliert Erholungsprozesse. Neuere Forschung untersucht seinen Einfluss auf Stress, Psyche und Immunsystem – z. B. bei chronischem Stress oder Stimmungsstörungen. Störungen können zu Ungleichgewichten führen, aber direkte Kausalitäten sind noch nicht vollständig geklärt.
Verlauf des Vagusnervs
Startet im Hirnstamm
Verläuft durch
Kopf,
Hals,
Brust in den Bauchraum.
Verzweigt sich in die Organe (z.B.)
Herz
Lunge
Verdauungstrakt
und leitet Signale zurück.
>> Vagusnerv und Chakra-System
Das Vegetative Nervensystem reguliert Prozesse in unserem Körper. (z.B.)
- Blutdruck
- Herz- und Atemfrequenz
- Körpertemperatur
- Verdauung
- Stoffwechsel
- Wasser – und Elektrolythaushalt
- Bildung von Körperflüssigkeiten (Schweiß, Speichel, Tränenflüssigkeit)
- Stuhl- und Harndrang
- Sexuelle Reaktion
Sympathikus
Bereitet auf Stress vor (Kampf/Flucht):
- erhöht den Puls
- erhöht den Blutdruck
- erhöht die Muskelkraft
- verlangsamt die Verdauung
- verursacht Schwitzen
- erweitert die Pupillen
Parasympathikus
Fördert Erholung:
- verlangsamt den Puls
- senkt den Blutdruck
- stimuliert die Verdauung
- stimuliert den Energieaufbau
Polyvagal-Theorie nach Stephen Porges (Stand 2025/2026)
Die Polyvagal-Theorie (Polyvagal Theory, PVT) ist ein neurophysiologisches Modell, das 1994/1995 von dem US-amerikanischen Neuroforscher und Psychologen Stephen W. Porges entwickelt wurde. Sie erklärt, wie das autonome Nervensystem (insbesondere der Vagusnerv) unsere Emotionen, unser Verhalten, unsere sozialen Interaktionen und unsere Reaktionen auf Stress und Bedrohung steuert.
Die Theorie ist evolutionär begründet: Sie beschreibt, wie sich das autonome Nervensystem bei Wirbeltieren (besonders Säugetieren) im Laufe der Evolution verändert hat, um immer flexiblere und sozialere Reaktionsmöglichkeiten zu ermöglichen.
Porges formuliert drei zentrale Zustände:
1. Ventraler Vagus – „Sicherheit & Verbindung“
-
- Nervensystem / Vagusanteil: Parasympathikus; myelinisierte vagale Fasern (Nucleus ambiguus)
- Grundfunktion: Ruhe, Regeneration, Verdauung, soziales Engagement
- Typische Auslöser: sichere Umgebung, vertraute Menschen, ruhige Stimme, angenehme Berührung
- Körperliche Zeichen: ruhiger Herzschlag, gleichmäßige Atmung, entspannter Gesichtsausdruck, gute Verdauung
- Emotion & Verhalten: Gelassenheit, Freude, Neugier, Mitgefühl, Offenheit
- Sozialer Modus: Blickkontakt, Kommunikation, Kooperation, Bindungsaufbau
- Vagusnerv-Training / Übungen: Summen, Singen, Ohm, lange Ausatmung, Ohren- und Halsmassage, sichere soziale Interaktion
2. Sympathikus – „Kampf oder Flucht“
-
- Nervensystem / Vagusanteil: Sympathikus (thorakolumbal); Vagus wird gehemmt
- Grundfunktion: Mobilisierung, Energiebereitstellung, Handlung
- Typische Auslöser: Gefahr, Leistungsdruck, Angst, Reizüberflutung, Kontrollverlust
- Körperliche Zeichen: erhöhter Puls, Schwitzen, weite Pupillen, Muskelanspannung, flache Atmung
- Emotion & Verhalten: Angst, Wut, Panik, Getriebenheit, Unruhe
- Sozialer Modus: Kampf, Flucht, Aggression, Rückzug, Abwehr
- Vagusnerv-Training / Übungen: Bewegung, Box-Breathing, Ausatmen betonen, Erdung, danach ventralen Vagus aktivieren
3. Dorsaler Vagus – „Erstarrung / Shutdown“
-
-
Nervensystem / Vagusanteil: Parasympathikus; unmyelinisierte vagale Fasern (dorsaler motorischer Nucleus)
-
Grundfunktion: Überlebensschutz, Energiesparen, Abschalten
-
Typische Auslöser: Überwältigung, Trauma, Hilflosigkeit, langanhaltender Stress
-
Körperliche Zeichen: niedriger Puls/Blutdruck, flache Atmung, Erschöpfung, Taubheit, Verdauungsprobleme, Dissoziation
-
Emotion & Verhalten: Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit, Scham, Leere, Depression
-
Sozialer Modus: Rückzug, Erstarrung, keine Kommunikation, Isolierung
-
Vagusnerv-Training / Übungen: sanfte Orientierung, kleine Bewegungen, Grounding, vorsichtiger Kältereiz, Summen, soziale Sicherheit
-
Kurz zusammengefasst:
-
Ventraler Vagus = Sicherheit, Verbindung, Heilung.
-
Sympathikus = Aktivierung, Kampf/Flucht.
-
Dorsaler Vagus = Notabschaltung, Erstarrung, Energiesparmodus.
-
Wir wechseln ständig zwischen diesen Zuständen – oft auch in Mischformen.
-
Ziel des Vagusnerv-Trainings: den ventralen Vagus stärken, um schneller in Ruhe, Verbindung und Resilienz zurückzufinden.
Hinweis: Die Polyvagal-Theorie ist ein praktisches klinisches Modell. Einige wissenschaftliche Annahmen sind umstritten, die daraus abgeleiteten Körperübungen haben sich in der Stressregulation jedoch vielfach bewährt.
Einfluss auf die Gesundheit
Als Teil des Parasympathikus unterstützt der Vagusnerv Ausgeglichenheit und kann Stressreaktionen abmildern. Ein guter „Vagus-Tonus“ korreliert mit besserer Resilienz, niedrigerem Entzündungsrisiko und Wohlbefinden. Mögliche positive Effekte (basierend auf Studien): Reduzierung von Angst, besserer Schlaf, Unterstützung bei hohem Blutdruck. Direkte Prävention schwerer Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Alzheimer) ist nicht bewiesen – es geht um allgemeine Förderung.
Sport und dein Vagustonus
Regelmäßige Bewegung verbessert in der Regel deine Herzfrequenzvariabilität (HRV) und damit deinen Vagustonus. Besonders Ausdauerbelastungen wirken hier positiv, weil sie die parasympathische Regulation stärken und deine Erholungsfähigkeit erhöhen.
Was besonders guttut:
- Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking
- Yoga und Pilates – sie verbinden Bewegung mit bewusster Atmung
- Moderate Kraftausdauer, etwa Zirkeltraining mit längeren Pausen
- Spaziergänge in der Natur
Worauf du achten solltest: Sehr intensive Belastungen ohne ausreichende Erholung – etwa wiederholtes HIIT ohne Regenerationstage – können den Sympathikus vorübergehend in den Vordergrund rücken und deinen Vagustonus senken. Reines Krafttraining zeigt in Studien uneinheitliche Effekte; in Kombination mit Ausdauertraining wirkt es meist günstiger. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen lohnt sich eine individuelle Abstimmung.
Ernährung für einen starken Vagustonus
Eine darmfreundliche, entzündungshemmende Ernährung unterstützt die Darm-Hirn-Achse und damit deinen Vagusnerv.
Besonders förderlich:
- Omega-3-reiche Lebensmittel: fetter Fisch, Leinsamen, Chia, Walnüsse
- Fermentierte und probiotische Lebensmittel: Joghurt, Sauerkraut, Kimchi, Kefir
- Ballaststoffreiche Kost: Gemüse, Beeren, Vollkorn
- Magnesium- und B-Vitamin-reiche Lebensmittel: grünes Blattgemüse, Nüsse, Samen
Stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker und Alkohol können dagegen Entzündungen fördern und die vagale Funktion beeinträchtigen.
Auch Nahrungsergänzung kann unterstützen: Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) sind gut erforscht und entzündungshemmend, Magnesium unterstützt Nerven- und Muskelentspannung, B-Vitamine sind wichtig für die Reizleitung, und Probiotika stärken die Darmflora. Wichtig zu wissen: Die Wirkung ist individuell verschieden, und nicht jeder Effekt ist bereits in allen Studien zweifelsfrei belegt.
Praxis
Der Vagusnerv kann auch mit Stromimpulsen stimuliert werden. Dies kann durch den Einsatz von Elektroden erreicht werden, die sowohl invasiv, also im Körper als auch außerhalb des Körpers angewendet werden.
In unserer Praxis setzen wir auf natürliche Übungen.
Hinweis: Alle Übungen sind sanft und anpassbar. Bei Schmerzen abbrechen. Fokussiere auf Wahrnehmung: „Was verändert sich in meinem Zustand?“
Block 1: Atmung und Stimme (ca. 50 Minuten)
Bauchatmung
Fördert die Sauerstoffaufnahme und reduziert Verspannungen
- Tief in den Bauch hinein einatmen (4 Sek.)
- langsam ausatmen (ca. 6-8 Sek.) bis „alte Luft“ raus ist
5 bis 10 Mal wiederholen.
Box-Breathing
Stimuliert Barorezeptoren und senkt den Blutdruck – verringert Angst.
- 4 Sekungen einatmen
- 4 Sekunden halten
- 4 Sekunden ausatmen (kann auf 6 Sekunden verlängert werden)
Wiederholung nach Bedarf. Variante ist einfach zu merken und deshalb in einer akuten Situation gut umsetzbar.
Führe beide Atmungsarten durch und vergleiche sie. Mit welcher fühlst Du Dich wohler?
Stimme
Summen z.B. „mmmmmh“ oder „Om“ (3-5 Minuten)
Singen eines einfachen Liedes
Stellt Vibrationen im Körper her, stärkt Zwerchfell und Atmung
Gurgeln mit Wasser 30 bis 60 Sekunden gurgeln (2-3 Mal)
Simuliert Schluckreflex und beruhigt
—15 Minuten PAUSE—
Block 2: Körper und Bewegung (ca. 50 Minuten)
Massage
Jede Art von angenehm wahrgenommener Körpermassage nimmt positiven Einfluss auf den Vagusnerv. Das Lockern der Muskulatur, gepaart mit Zuwendung und Aufmerksamkeit, führt zu Wohlbefinden, welches den Vagusnerv stimuliert.
Dieses gilt sowohl für Fremd- als auch für die Selbstmassage.
Ohrenmassage
Am Ohr finden sich 3 Punkte, die mit dem Zeigefinger sanft kreisend massiert werden können

- Ecke der mittleren Ohrfalte
- der Bereich vor dem Gehörgang
- hinter dem Ohr, etwa mittig/unterhalb
Nackenmassage
Mit der Nacken-Halsmassage werden die Teile des Vagusnervs, die durch den Hals verlaufen, direkt stimuliert.
- mit den Händen den Hinterkopf umgreifen
- die Daumen links und rechts, hinter den Ohren seitlich an den Hals legen
- mit kreisenden Bewegungen der Daumen an der Schädelkante massieren
- nach unten ausstreichen
- Hände umsetzen
- mit 4 Fingern in kreisender Bewegungen seitlich am Hals weiter massieren
- am Ende mit den ganzen Händen seitlich den Hals nach vorne hin sanft ausstreichen
- dabei den Kopf sanft in den Nacken legen – ggf. Augen schließen
Übung ruhig und gleichmäßig, mit mässigem Druck ausüben
Grimassen schneiden & Kopf drehen
Eine lebhafte Mimik gilt als Zeichen für einen aktiven Vagusnerv – umgekehrt kann der Vagusnerv durch eine aktive Mimik stimuliert werden.
- Vor den Spiegel stellen
- Augenbrauen wie zum Erstaunen anheben
- Augen nach links und rechts rollen
- Mundwinkel nach oben und unten ziehen
- Nase krausen
ca. 2 Minuten lang, dann…
- den Kopf einmal langsam nach links drehen,
- mit den Augen etwas in nächster Nähe fixieren
- den Kopf langsam nach rechts drehen
- ebenfalls kurz einen Gegenstand mit den Augen fixieren
5 x Wiederholen
Akkommodieren
Mit dieser Übung werden die Augenmuskeln trainiert und gleichzeitig der Vagusnerv gestärkt
- jeweils einen Finger der rechten und einen Finger der linken Hand unterschiedlich weit ausstrecken
- mit den Augen abwechselnd fokussieren und Kreise zeichnen
- sobald das gut funktioniert, mit den Augen „Achten“ um die beiden Finger beschreiben.
ca. 2 Minuten
Beckenheben
Parasympathische Aktivierung, bessere Durchblutung, Beckenbodenstärkung.
- Startposition:
Rückenlage auf einer Matte, Beine angewinkelt, Füße hüftbreit aufgestellt (nahe am Gesäß)
Arme liegen entspannt neben dem Körper, Handflächen zeigen nach unten - Vorbereitung
- spüre den Kontakt zwischen Wirbelsäule und Matte
- atme tief in den Bauch ein und spüre, wie sich der untere Rücken leicht anhebt
- Aufrichtung
- Ausatmen: Becken langsam anheben, Wirbel für Wirbel vom Boden abrollen
- Oberschenkel und Oberkörper bilden eine gerade Linie (kein Hohlkreuz!)
- Wichtig: Po- und Beckenbodenmuskulatur aktivieren, Bauchmuskeln bleiben locker
- Haltephase (10–15 Sekunden)
- atme ruhig weiter (Betonung auf langes Ausatmen zur Vagusnerv-Aktivierung)
- visualisiere, wie der Vagusnerv entlang der Wirbelsäule stimuliert wird
- Auflösen
- Einatmen: Wirbel für Wirbel langsam abrollen, bis das Becken wieder auf der Matte liegt
spüre nach, wie sich die Entspannung im unteren Rücken ausbreitet
3–5 Mal wiederholen, Pausen zwischen den Durchgängen bewusst wahrnehmen
Das Kamel – Ustrasana
Der Brustkorb wird geöffnet, die Atmung verbessert. Stimuliert den Halsbereich, stimuliert den Parasympathikus
- Startposition – Kniestand (evtl. mit gepolsterten Unterlage), Füße hüftbreit, Zehen aufgestellt
- Hände an den unteren Rücken legen, Ellbogen leicht zueinander führen
- Hüfte nach vorne schieben, Beckenboden aktivieren
- Langsam zurücklehnen, Kopf entspannt in den Nacken sinken lassen (nur so weit, wie der Rücken schmerzfrei bleibt!)
- Halten: 10–30 Sekunden, ruhig atmen.
- Auflösen
- Hände stützen den Rücken,
- Wirbel für Wirbel aufrichten
Übung 3 Mal wiederholen, dabei ruhig und gleichmäßig atmen
Hinweis: bei Nackenproblemen Kopf nicht überstrecken, sondern gerade halten.
Block 3: Entspannung & Kälte (30 Minuten)
Aktives Entspannen führt zu einer Wechselwirkung. Durch aktive Entspannung wird der Vagusnerv stimuliert, ein gut funktionierender Vagusnerv führt zu Entspannung. Das wiederum führt dazu, dass wir generell entspannter sind und uns wiederum schneller entspannen können.
Progressive Muskelentspannung
Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen basiert auf dem Prinzip “Anspannung – Entspannung = Entspannung”.
Es werden einzelne Muskelgruppen von Kopf bis Fuß jeweils 7 Sekunden angespannt und wieder locker gelassen. Dabei kommt es nach und nach zur inneren Ruhe. Nicht nur die Muskeln lockern sich, auch der innere Dialog wird ruhiger.
Im Netz finden sich gute Anleitungen, um die Progressive Muskelentspannung anzuwenden. Die Kurzform dauert in der Regel 15 Minuten, die Langform 45 Minuten. Es ist sinnvoll, mit der Langform zu beginnen.
Autogenes Training
Das Autogene Training basiert auf der Vorstellung von Wärme und/oder Schwere, die durch den Körper strömt.
Es ist eine Art von Selbsthypnose, die innerhalb von lediglich 10 Minuten zur vollständigen körperlichen und geistigen Entspannung führen kann.
mit dem Fokus auf Schwere:
- auf einen Stuhl setzen und die sogenannte Kutscherhaltung einnehmen oder in Rückenlage auf eine Matte legen
- Augen schließen
- auf den rechten Arm konzentrieren (Linkshänder beginnen mit links)
- wahrnehmen, wie schwer der Arm sich in diesem Moment anfühlt. im Kopf sagen: “mein rechter Arm ist schwer….”
- das Schweregefühl intensivieren; im Kopf sagen “mein rechter Arm ist gaaaaanz schwer…”
- mehrmal wiederholen und immer wieder nachspüren
- Spüren, wie der rechte Arm immer schwerer wird und sich gleichzeitig eine Entspannung ausbreitet.
- anschließend diesen Ablauf auf den anderen Arm, und das rechte und linke Bein wiederholen
- “mein linker Arm ist schwer….; mein linker Arm ist gaaaanz schwer”. Spüren und mehrmals wiederholen
- “mein rechtes Bein ist schwer….; mein rechtes Bein ist gaaaanz schwer”. Spüren und mehrmals wiederholen
- “mein linkes Bein ist schwer….; mein linkes Bein ist gaaaanz schwer”. Spüren und mehrmals wiederholen
- alle Muskeln anspannen, um das Autogene Training zu beenden. Faust machen, Recken und Strecken. Augen öffnen. Dadurch wird der Entspannungszustand aufgehoben. Diesen Vorgang nennt man die sogenannte „Rücknahme“.
mit dem Fokus auf Wärme
Ähnlich wie bei der Schwereübung wird dem Körper suggeriert, dass er ganz warm ist. Dadurch sollen sich die Blutgefäße weiten und beruhigen. Dann beginnt die Übung mit „mein rechter Arm ist ganz warm“…. usw.
Durchgängig ist auf eine ruhige und gleichmäßige Bauchatmung zu achten
Imaginationsreise
Entspannung durch eine geführt imaginäre.
Liveaudio vom Workshop am 14.10.2023 in Beverstedt
Kälte
Kältebehandlungen können den Vagusnerv aktivieren. Wer sich regelmäßig niedrigen Temperaturen aussetzt, kann den sympathischen „Kampf- oder Fluchtreflex“ verringern und den parasympathischen Aktivitätslevel durch den Vagusnerv steigern.
Hilfreich sind z.B.
- Gesicht in kaltes Wasser tauchen (10-30 Sek.)
- Nacken und Handgelenke mit einem kalten Tuch kühlen
- Wechselduschen
- Schwimmen in kaltem Wasser
- Herbst und Winter barfuß laufen *
- leichte Kleidung bei Kälte *
*es geht nicht um einen Dauerreiz, sondern darum sich dem Kältereiz für einen Moment auszusetzen
Abschluss & Transfer (ca. 20 Minuten)
Nachspüren: „welche Übung hat bei mir am stärksten gewirkt?“
Welche 1-2 Techniken möchtest Du in den nächsten Tagen für Dich in den Alltag integrieren
Was denkst Du; mit welchen Faktoren kannst Du außerdem positiven Einfluss nehmen, denke dabei an Dinge Dir Dir gut tun – worauf kannst Du noch besser achtgeben und Dich stärken?
Wenn Du auf Deine Erwartung zu Beginn des Workshop schaust, was wurde erfüllt, was hat gefehlt, was hat Dich überrascht?
Häufig gestellte Fragen
Kann man den Vagusnerv überstimulieren? Ja, das ist grundsätzlich möglich. Eine sehr starke Aktivierung kann eine sogenannte vasovagale Reaktion auslösen: Herzfrequenz und Blutdruck fallen kurzzeitig stark ab, was zu Schwindel oder – seltener – einer kurzen Ohnmacht führen kann. Typische Auslöser sind starke Kältereize, Pressen oder sehr langes Luftanhalten, nicht die hier vorgestellten sanften Übungen. Wer zu Kreislaufproblemen oder Ohnmachtsneigung neigt, sollte Atemanhaltephasen und Kältereize vorsichtig dosieren.
Wie schnell spürt man eine Wirkung? Manche spüren schon nach wenigen Minuten eine tiefere Entspannung. Für eine messbare Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität oder der allgemeinen Stressresilienz braucht es meist mehrere Wochen regelmäßiger Praxis, etwa 5–10 Minuten täglich.
Hilft das auch bei bestehenden Beschwerden wie Angst oder Reizdarm? Die Übungen können unterstützend wirken und Symptome lindern, ersetzen aber keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Bei diagnostizierten Erkrankungen lohnt sich die Abstimmung mit deiner Ärztin oder Therapeutin.
Gibt es einen Unterschied zwischen linkem und rechtem Vagusnerv? Ja. Der rechte Vagus beeinflusst vor allem den Sinusknoten und damit deine Herzfrequenz, der linke wirkt stärker auf die Erregungsüberleitung im Herzen – beide versorgen zusätzlich deinen Magen-Darm-Trakt. Für deine Alltagsübungen macht dieser Unterschied jedoch praktisch keinen Unterschied.
Zielgruppe
Der Workshop richtet sich an Menschen, die ihr körperliches und emotionales Wohlbefinden verbessern möchten. Z.Bs
- Berufstätige und/oder Pflegende unter Stress
- Menschen mit chronischer Unruhe oder Schlafproblemen
- Interessierte an Prävention
Nutzen für die Teilnehmer
- Mehr Gelassenheit
- Sofort anwendbare Techniken (z. B. Box-Breathing, Massagegriffe) für akute Stressmomente.
- Langfristige Regulation des Nervensystems durch regelmäßige Praxis
- Körperliche Gesundheit
- Senkung von Blutdruck und Entzündungswerten (Vagusnerv steuert Immunantwort)
- Linderung von Verspannungen (Nacken, Kiefer, Verdauung)
- Emotionale Balance
- Erkennen und Steuern von Überforderung („Warum friere ich bei Stress ein?“ – Polyvagal-Theorie)
- Stärkung der sozialen Kompetenz („Safe-and-Social“-Modus durch ventralen Vagus)
- Praktische Selbstwirksamkeit
- Keine Hilfsmittel nötig – Übungen (z. B. Ohrmassage, Summen) überall umsetzbar
- Kombination aus westlicher Wissenschaft (Neurologie) und östlichen Methoden (Yoga, Meditation)
- Gruppendynamischer Effekt
- Gemeinsames Üben verstärkt die Wirkung (z. B. durch Gruppen-Summen oder Partnerübungen)
Vagusnerv Training wird als Workshop angeboten. In meinen News findest Du die akuellen Termine oder schaue Dir mein Kursangebot beim Bildungswerk Wesermüde Süd e.V. an
